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 Zehn Jahre Feuerwehrleitstelle
   

Über 1.000.000 Einsätze im Nervenzentrum der Feuerwehr koordiniert

49 hochqualifizierte Disponenten im 24-Stunden-Schichtdienst organisiert

moderner Digitalfunk integriert


Die Leitstelle der Feuerwehr Düsseldorf an der Hüttenstraße ist
seit nun mehr als zehn Jahren in Betrieb. Der Neubau der Leitstelle wurde am 24. Januar 2005 mit dem Umschalten auf die neue Technik abgeschlossen. Neun Millionen Euro hatte die Stadt in den Neubau investiert. Eine Investition in die Zukunft mit modernen Arbeitsplätzen, die sich auszahlte: "Mehr als 1.000.000 Einsätze wurden binnen der zehn Jahre von den Mitarbeitern bearbeitet, Tausenden Menschen in Düsseldorf dadurch geholfen, vielen davon sogar das Leben gerettet", erklärt Feuerwehrdezernentin Helga Stulgies bei der Zehn-Jahres-Bilanz. Die technische Weiterentwicklung in der Leitstelle geht mit großen Schritten voran. Der Digitalfunk wurde integriert. Dazu mussten alle Einsatzleitplätze umgerüstet werden. Noch in diesem Jahr erhält der Einsatzleitrechner eine ganz neue Software für die Einsatrzabwicklung.  Die Vorbereitungen dazu laufen auf vollen Touren.


Gegenwärtig arbeiten in der Leitstelle 49 hochqualifizierte Feuerwehrleute im Schichtdienst. Davon
werden ein "Lagedienstführer" und acht Disponenten im 24-Stundendienst eingesetzt. Sie nehmen die Notrufe entgegen und bearbeiten die Einsatzmeldungen. Wochentags erhält die Mannschaft eine 8-Stunden-Verstärkung – zwei Feuerwehrmänner organisieren den Krankentransport und besetzen die Telefonvermittlung. Bei Großschadensereignissen wie beispielsweise Unwetterlagen, Hochwasser, Lagerhallenbränden oder großen Gefahrstofffreisetzungen wird die Standardbesetzung ergänzt, um die damit verbundenen ansteigenden Notrufaufkommen und Fahrzeugkoordinierungen zeitnah zu bearbeiten beziehungsweise zu disponieren.  Der dazu notwendige Dienstplan heißt in der Fachsprache "Sitzplan". Er  wird von den Führungsmitarbeitern erarbeitet. Von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr abends "sitzen" sechs Disponenten im zweistündigen Wechsel, ab 19 Uhr bis 7 Uhr wechseln sich die Feuerwehrleute im Vier-Stunden-Rhythmus ab.

 

Die Disponenten, die außerhalb ihrer „Sitzzeiten“ auch noch Datenpflege und Überprüfung der zugeordneten Fahrzeuge übernehmen, stehen aber auch zu jeder Tages- und Nachtzeit für Sonderlagen zur Verfügung. So gibt es einen festgeschriebenen Einsatzplan „Ausnahmezustand“. Flächenlagen, wie zum Beispiel das schwere Orkantief „Ela“ vom Juni 2014, fordert von den Mitarbeitern der Feuerwehrleistelle tagelange Höchstform. Das betroffene Stadtgebiet wird dann in Abschnitten aufgeteilt und jedem Einsatzleitplatz einer dieser Abschnitte zugeordnet. Neben dem weiter laufendem „normalen Tagesgeschäft“ kann dadurch eine koordinierte Bearbeitung der Sonderlage professionell abgewickelt werden. Die vorhandene Einsatzbearbeitungs-Software des Einsatzleitrechners wurde dafür in den vergangenen Jahren immer weiter modifiziert und es entstanden sogenannte „Sonderlagen-Module“. Diese Entwicklung der Leitstellenadministratoren geschieht immer in enger Absprache mit den Anwendern des Systems, den Feuerwehrleuten im Nervenzentrum. Während des Unwettereinsatzes im Juni rief die Düsseldorfer Feuerwehr für rund zehn Tage den Ausnahmezustand aus. Die Leitstelle und die Feuerwehreinsatzleitung waren während dieser Tage durch viele Mitarbeitende personell verstärkt worden. 

 

Seit kurzem hat die Leitstelle einen neuen Leiter. Guido Bürschgens übernimmt die Aufgabe, die bisher Franz Hitz innehatte. Hitz hat jahrelang die Geschicke und die Entwicklung der Feuerwehrleitstelle mit geprägt. Bei der Planung dieses Gebäude war er festes Mitglied im Planungsausschuss. Der heute 47–jährige Guido Bürschgens übernimmt nun diese verantwortungsvolle Aufgabe. Er trat 1993 in den Dienst der Berufsfeuerwehr ein. Nach der Grundausbildung und der Qualifikation zum Rettungsassistenten versah er in der Feuer- und Rettungswache 4 an der Behrenstraße  seinen Dienst.  Bevor Bürschgens das Amt des Leiters der Leitstelle übernommen hat, war er stellvertretender Sachgebietsleiter der Stabstelle für Personaleinsatz der Feuer- und Rettungswachen. Ulrich Koenen steht ihm mit langer Diensterfahrung in der Leitstellenführung als Stellvertreter zur Seite. Der heute 55-jährige kam 1981 zur Düsseldorfer Berufsfeuerwehr. Seit 1987 ist er in der Leitstelle tätig. Nachdem er bereits 1999 zum Dienstgruppenleiter ernannt wurde, übernahm er 2009 die Funktion des stellvertretenden Leiters. Gemeinsam setzen sie auf höchsten Qualifizierungsstand aller Leitstellendisponenten und auf technische Weiterentwicklung des Einsatzleitrechners sowie stetige Fortschreitung im Digitalfunk.

 

Die Qualifikation der Leitstellenmitarbeiter ist vielschichtig: Eine komplette Feuerwehrausbildung, Rettungsassistentenausbildung und mehrjährige Einsatzerfahrung auf einer Feuer- und Rettungswache sind die Grundvoraussetzungen, um als Disponent arbeiten zu können. In einem dreiwöchigen Leitstellenlehrgang mit anschließenden Ausbildungsschichten werden die Mitarbeiter auf folgende Aufgaben vorbereitet:
• Annahme und Bewertung von Notrufen

• Alarmierung von Einsatzeinheiten

• Planung von Krankentransportbestellungen, Intensivverlegungen

• Sicherstellung/Koordination des Brandschutzes im Stadtgebiet
• Koordination des gesamten städtischen Rettungsdienstes

• Meldekopf und Alarmierungsleitstelle der Stadt, für das  Innenministerium, die Bezirksregierung
und für benachbarte Leitstellen
• Auslösende Stelle für alle Alarmierungen im Rahmen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr wie beispielsweise Krisenstab, Feuerwehreinsatzleitung oder andere städtische Dienststellen (Umweltamt, Amt für Verbraucherschutz, Stadtentwässerungsbetrieb)
• Telefonvermittlung für die gesamte Feuerwehr

• Kommunikation mit Krankenhäusern, Führen eines Bettennachweises

• Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen

• Koordination von Anfragen/Anforderungen zu überörtlichen Hilfeleistungen
 
• Umsetzung/Hilfestellung bei der Organisation von Veranstaltung

• Bürgerservice (Arztsuche, Apothekennotdienst, Telefonauskunft,     Vermisstensuche)

• Schnittstelle zur Polizei und den Werksfeuerwehren in Düsseldorf

• Ausweichleitstelle für die Bezirksregierung

• Alarmdienst auf dem Einsatzleitwagen 2/3 (ELW) bei größeren Lagen zur
Unterstützung der örtlichen Einsatzleitung

• Stellung des Führungsgehilfen für den B-Dienst (Führungsdienst Branddirektion)

• kurzfristige Besetzung des Kommunikationsraumes der Feuerwehreinsatzleitung


In einer eigenen Schulungsleitstelle werden die Mitarbeiter im Umgang
mit dem Leitstellen-Computersystem vertraut gemacht oder neue Funktionen getestet und entsprechend angepasst. Darüber hinaus findet für die "alten Hasen" eine jährliche Fortbildung statt.

 

Die Einsatzstatistik weist in den letzten Jahren eine Steigerung auf. Mit dem Anstieg der in Düsseldorfer lebenden Einwohner und der wirtschaftlichen Expansion nahmen auch die Einsätze zu. Im Jahr 2014 überschreitet die Gesamteinsatzzahl erstmalig seit Bestehen der Feuerwehr die 130.000er Marke. 134.409 Einsätze zählte der Einsatzleitrechner. Davon entfallen weit über 6.000 Einsatzmeldungen auf das Konto des Sturms „Ela“. Die Disponenten nahmen im vergangenen Jahr 341.102 Anrufe in der Leitstelle entgegen. Das sind knapp 1.000 Anrufe am Tag. Über 200.000 Anrufe gingen über die Notrufnummer 112 ein.

 

Die Einführung des Digitalfunknetzes ist das größte technische Modernisierungsprojekt der inneren Verwaltung in Deutschland. Allein in Nordrhein-Westfalen rüsten Polizei, Feuerwehren, Hilfsorganisationen und -dienste 26.000 Fahrzeuge um und tauschen etwa 80.000 Funkgeräte aus. 110 Leitstellen von Feuerwehr und Polizei müssen an die neue Technik angepasst werden. Es werden 50 Polizeibehörden, 422 Feuerwehren der Kommunen und Kreise, 96 Werksfeuerwehren und die Hilfsorganisationen ausgestattet. 120.000 Angehörige der Feuerwehren, Rettungsdienste und des Katastrophenschutzes sowie 40.000 Polizisten müssen in die neue Technik eingearbeitet und geschult werden. Die Kommunikationstechnikabteilung der Düsseldorfer Feuerwehr beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit der digitalen Funktechnologie.  Die Feuerwehrleitstelle Düsseldorf wurde in den letzten Jahren technisch so ausgestattet, dass inzwischen von jedem Einsatzleitplatz „digital“ gefunkt werden kann. In den kommenden Jahren sind weitere Investitionen geplant, um auch Rückfallebenen im Digitalfunk zu haben. Auch bei Sonderlagen, Veranstaltungen und  Großeinsätzen hat sich der Digitalfunk bewährt, sodass eine noch bessere Kommunikation unter den Führungskräften gewährleistet ist.

 

Einsatzstatistik 2005 - 2014:

 1.131.573 Einsätze mit Krankentransporte

    28.534 Feuer

    55.487 Hilfeleistungen

  435.045 Krankentransporte

  612.507 Notfalleinsätze, davon 137.186 Notarzteinsätze

   

© Jürgen Truckenmüller, Düsseldorf - letzte Änderung: 16.09.2015